Teufelskreis Muskelverspannungen

Mag. Edeltraud Nikolowsky

von Mag. Edeltraud Nikolowsky  |  Donnerstag, 09. Juni 2011

Teufelskreis Muskelverspannungen

Zu langes Sitzen, dadurch entstehende falsche Sitzhaltung, stundenlange Computerarbeit, Stress, aber auch einseitiges schweres Tragen können schmerzhafte Verspannungen, vor allem an Nacken, Schultergürtel und Lendenmuskulatur zur Folge haben.

Durch Fehlhaltungen können sich einige Muskeln schmerzhaft verkrampfen. Zur Vermeidung weiterer Schmerzen wird der Körper immer mehr in eine Schonhaltung gedrängt, die dann zu weiteren Muskelverspannungen und damit zu neuen Schmerzen führt: Ein Teufelskreis entsteht.
 
Medizinisch betrachtet versteht man unter einer Verspannung ein schlechtes Zusammenwirken und eine gestörte Koordination verschiedener Muskelgruppen. Unsere Muskeln haben immer eine gewisse Grundspannung (Tonus). Nur bei Nervendurchtrennungen, bei welchen gewisse Muskeln überhaupt keine elektrischen Impulse mehr erhalten, geht die Spannung auf Null. Eine Verspannung besteht dann, wenn einzelne oder ganze Muskelgruppen unter andauernder schmerzhafter Anspannung stehen, die über die normale Anspannungsstärke hinausgeht.
 
Stress schlägt sich auf den Rücken
Stressbedingt stehen zumeist Verspannungen im Nacken mit Schmerzen im Vordergrund. Bei andauernder Belastung und fehlender Therapie können infolge Kopfschmerzen auftreten. Im weiteren Verlauf verspannen sich die Muskeln entlang des Rückens, was in Rückenschmerzen resultiert. Als Folge einer Dauerbelastung der Rückenmuskulatur kommt es zu einem Sauerstoffmangel in den betroffenen Muskeln, der zu einer Stoffwechselstörung im Muskelgewebe führt. Die Folge: Der Muskel verhärtet krampfartig. Dauert die Belastung zu lange an, spricht man von einer chronischen Muskelverspannung, die im schlimmsten Fall zu einer Reduzierung des Muskelgewebes (Atrophie) führen kann.
 
Fehlbelastung als Ursache
Durch einseitiges Tragen von schweren Lasten, wie es z.B. bei Bauarbeitern oder Kellnern gängig ist, werden einzelne Muskeln überdehnt oder gezerrt. Der Körper reagiert darauf mit einer verstärkten Anspannung jener Muskeln, die die geschädigten Muskelgruppen entlasten. Diese wiederum werden nun über Gebühr beansprucht und können ihrerseits mit Verspannungen reagieren.
 
Folge von Verletzungen
Leiden wir beispielsweise nach einem Sportunfall oder einer Verletzung an Schmerzen, versucht der Körper, durch eine Änderung der Muskelanspannung den geschädigten Bereich zu entlasten und die Beschwerden so zu lindern. Bestehen die Schmerzen und damit auch die Anspannung der Muskulatur über einen längeren Zeitraum, können ausgeprägte dauerhafte Muskelverspannungen die Folge sein.
 
Die Angst im Nacken
Die sprichwörtliche Angst kann uns im Nacken sitzen oder schwer auf unseren Schultern lasten. Psychische Anspannungen lassen uns den Kopf einziehen, das heißt wir ziehen die Schultern hoch. Diese dauernde Anspannung führt zu einer Überlastung des Muskels und mündet im oben beschriebenen Teufelskreis der Muskelverspannung.
 
Verspannungen als Begleiterscheinung
Im Verlauf von Infektionskrankheiten wie beispielsweise der Grippe oder von rheumatischen Erkrankungen können als Begleiterscheinung Muskelschmerzen auftreten. Für manche Erkrankungen, wie das Fibromyalgie-Syndrom, sind Verspannungen sogar Leitsymptom.
 
Beugen Sie vor, leben Sie rückenfreundlich
Beugen Sie Verspannungen vor, indem Sie durch Bewegung und Krafttraining für eine kräftige Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskulatur zur Unterstützung der Wirbelsäule sorgen.
Bei alltäglichen Tätigkeiten ist es wichtig, auf Schonung und Entlastung der Wirbelsäule zu achten:

  • Gehen Sie in die Knie um etwas aufzuheben, belasten sie dabei vornehmlich die Oberschenkel. Wird ein Gegenstand von 10 kg mit vorgebeugtem Oberkörper gehoben, lasten rund 300 kg auf den unteren Bandscheiben. Dieser Druck verringert sich auf 130 kg, wenn man in die Knie geht und aus den Knie- und Hüftgelenken anstatt aus dem Kreuz heraus anhebt. Achten Sie darauf besonders beim
  • Tragen sie Lasten immer gleichmäßig verteilt.
  • Sorgen Sie für einen ergonomisch richtig eingestellten Stuhl am Arbeitsplatz.
  • Kaufen Sie eine gute Matratze und einen den Nacken und Rücken entlastenden Polster.
  • Betreiben Sie ausreichend Sport. Ideale Sportarten sind Schwimmen, Walken oder Radfahren. Achten Sie bei Ihrem Fahrrad auf einen ausreichend hohen Lenker zur Entlastung der Halswirbelsäule.
  • Nehmen Sie rechtzeitig Hilfe in Anspruch, wenn Ihnen etwas auf die Seele drückt.

 
Was tun bei bestehenden Muskelverspannungen?
Grundlegend gilt, dass die Behandlung von Muskelverspannungen möglichst frühzeitig begonnen werden sollte. Durch eine konsequente Therapie können Verspannungen und Muskelverhärtungen normalerweise wieder völlig aufgelöst werden.
 

  • Beseitigung der Fehlhaltung und Fehlbelastung im Alltag.
  • Wärmeanwendungen: Eine heiße Dusche, ein warmes Bad und regelmäßige Saunabesuche helfen bei der Entspannung.
  • Wärmebehandlungen mit Fango-Platten erfüllen mit ihrer bis in die Tiefen des Muskelgewebes wirkenden Wärme den Heilanspruch, den Verspannungen fordern. Durch die wärmende Tiefenwirkung werden die Durchblutung und damit der Stoffwechsel der Muskulatur angeregt. Übersäuerungen werden abgebaut und Entzündungen reduziert.
  • Lassen Sie sich beraten und bringen Sie Ihren Bürostuhl in eine ergonomisch richtige Position, legen Sie immer wieder kleine Bewegungspausen ein – oder folgen Sie zur Abwechslung dem Trend Arbeiten im Stehen und holen Sie ein Stehpult in Ihr Büro.
  • Versuchen Sie einige gezielte Übungen für Zwischendurch, die in nur wenigen Minuten Ihr Wohlbefinden steigern können:

 
Übung 1:
Legen Sie die Hände auf den Hinterkopf. Versuchen Sie nun, die Ellbogen so weit, wie es angenehm ist, nach hinten zu drücken. Kurz halten und durchatmen.
Übung 2:
Falten Sie die Hände hinter den Kopf, die Ellbogen bleiben auf Höhe der Ohren. Neigen Sie den Oberkörper leicht zur Seite. Bleiben Sie drei bis vier Atemzüge in dieser Position, dann die Seite wechseln.
Übung 3:
Ziehen Sie die Ellbogen von hinten nach vorn und rollen den Kopf ein. Das Kinn so weit wie möglich zur Brust ziehen. Vermeiden Sie dabei, einen Rundrücken zu machen.
Übung 4:
Schlagen Sie das rechte Bein über das linke. Nun drehen Sie den Rumpf langsam nach rechts. Halten Sie sich dabei an der Lehne fest. 30 Sekunden halten, dann die Seite wechseln.
 

  • Massagen tragen zur Schmerzlinderung und Lockerung bei.
  • Bei starken Schmerzen kann eine Ruhigstellung für Entlastung sorgen.
  • Sportliche Betätigung hilft, die verspannte Muskulatur zu lockern.
  • Wichtig ist eine ausreichende medikamentöse Schmerztherapie, zunächst durch lokale Anwendung von Salben oder Gelen. Der zu den nichtsteroidalen Antirheumatika zählende Wirkstoff Diclofenac Natrium wirkt gezielt an der schmerzenden Stelle, sodass die Wiederherstellung der normalen Funktionsfähigkeit beschleunigt wird. Durch die Schmerzlinderung werden Fehlhaltungen reduziert und schmerzhafte Verspannungen lockern sich. In schwereren Fällen entscheidet der Arzt über die Einnahme von geeigneten Schmerz- bzw. Muskel entspannenden Mitteln oder über eine eventuelle Infiltration von Lokalanästhetika.
  • Botox gegen Schmerzen: Relativ neu ist die Überlegung, dass das stärkste biologische Gift der Welt, Botulinumtoxin, bei muskulären Rückenverspannungen Hilfe bringen könnte.
  • Das Erlernen von Entspannungstechniken hilft, vor allem dann, wenn psychische Belastungen auslösender Bestandteil der Muskelverspannungen sind.
  • Erlangen Sie eine bessere Körperwahrnehmung durch die Feldenkrais-Methode, einer körperorientierten Lernmethode, die helfen soll, mehr über den eigenen Körper und seine Bewegungsmuster zu erfahren. Nachteilige Bewegungsmuster sollen erkannt und gelöst und neue Bewegungsalternativen aufgezeigt werden. Die Methode bewährt sich vor allem zum Abbau von fehlhaltungsbedingten Schmerzen.
  • Alternative Methoden wie Shiatsu können hilfreich sein. Shiatsu übersetzt bedeutet „Fingerdruck" und lässt sich als eine einfühlsame, leicht erlernbare und sehr wirkungsvolle Arbeit am Körper beschreiben. Durch Druck auf Meridiane, Gelenke, Muskeln und Sehnen aktiviert Shiatsu unsere natürlichen Selbstheilungskräfte und löst Blockaden im Fluss unserer körpereigenen Energien.
  • Belegen Sie einen Yoga-Kurs. Im Yoga wird der Mensch als Reisender im Wagen des materiellen Körpers gesehen. Der Körper ist der Wagen, der Verstand der Kutscher, die fünf Sinnesorgane die fünf Pferde, die Seele der Fahrgast, und das Geschirr heißt im Indischen „Yoga“. Die systemische Zusammenführung von Bewegung, Atmung und Konzentration hilft, Spannungen zu lösen und Schmerzen zu lindern.
  • Bei Verspannungen im Nackenbereich sind eine gute Matratze und der richtige Polster ein Muss, denn er ist für eine optimale Regeneration der empfindlichen Halswirbelsäule mitentscheidend. Im Fachhandel gibt es die unterschiedlichsten Kissen, die den unterschiedlichsten Wünschen entgegenkommen. Die entscheidenden Vorteile sind der Aufbau, die Größen, die verwendeten Naturmaterialien sowie die verschiedenen Füllungen von Schafschurwolle über Dinkel und Hirse bis zu Zirbenholzspänen.

Tags: Beratung, Rückenschmerzen, Stress